| Ganztagesbetreuung an Haupt- und Werkrealschulen |
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Schule war selbstverständlich schon immer mehr als Mathe, Englisch und ungeliebte Hausaufgaben. Schule bedeutet Freunde finden, sich im sozialen Kontext ausprobieren, stressige Situationen meistern, gemeinsame Tagesstrukturierung und vieles mehr. Jene Bereiche, welche Schule außerhalb der Unterrichtsfächer ausmachen, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Schulsozialarbeit wird mehr und mehr eine unverzichtbare Größe; ebenso die Ganztagesbetreuung.
![]() Mit knurrendem Magen wäre Lernen zwecklos: Während der Mensazeiten beaufsichtigen pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas die Schülerinnen und Schüler. Fast jede der vom Caritasverband über die Schulsozialarbeit betreuten Schulen verfügt inzwischen über eine Form der Ganztagesbetreuung. Besonders intensiv ist die Ganztagesbetreuung in Schwenningen an der Werkrealschule am Deutenberg – dort ist der caritasverband Träger der Ganztagesbetreuung. Betreut werden die rund 370 Schülerinnen und Schüler durch fünf hauptamtliche Mitarbeiterinnen, einer sozialpädagogischen Fachkraft für spezielle Projektarbeiten, drei Kräften für die Mensa sowie sieben Freiwilligen. Dabei sieht die Konzeption nicht nur vor, außerhalb der Unterrichtszeiten präsent zu sein, sondern auch bereits während diesen. In enger Kooperation mit den Lehrkräften und der Schulsozialarbeit bietet die Ganztagesbetreuung sowohl Einzel- als auch Gruppenförderung an. Bewährt hat sich hierbei ein Betreuersystem, welches jeweils feste Bezugspersonen den Schülerinnen und Schülern zuordnet. Wer den Unterricht mehrfach stört oder auch sonst nicht vermag, sich an Regeln zu halten, wird von den Lehrkräften in einen sogenannten Arizona- oder Auszeitraum verwiesen. Eine pädagogische Fachkraft reflektiert dort mit ihr/ ihm das gezeigte Verhalten, sucht nach Alternativen und Hintergründen.
![]() Einer der heißumkämpften gesellschaftlichen Mittelpunkte in den Pausenzeiten der Ganztagesschule am Deutenberg: der Kicker. Als sehr sinnvoll erwiesen sich auch die durch die Ganztagesbetreuung angestoßenen eigenständigen Projekte der Schülerinnen und Schüler. So organisieren diese inzwischen fast selbstständig die Pausenverpflegung, einen Garderobendienst oder auch die Redaktion einer Schülerzeitung. Rund ein Viertel aller Schüler nutzt das Mittagstischangebot in der Mensa. Nachmittags stehen zahlreiche, gänzlich unterschiedlich gestaltete Räume zur Verfügung - so beispielsweise verschiedene Spielzimmer, ein Schülercafé mit Billardtisch oder auch ein Ruheraum für stille Beschäftigungen. Im kreativen, hauswirtschaftlichen, medialen und sportlichen Bereich finden sich gern genutzte Angebote für Projekte und Arbeitsgemeinschaften. Über die unmittelbare Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hinaus ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas-Ganztagesbetreuung aber auch der Kontakt zu den Eltern sehr wichtig. „Dieser Austausch und ein gemeinsames Erarbeiten von Lösungen und Hilfestellungen ist bei Problemen unverzichtbar“, so Jugendsozialarbeiterin Michaela Fricker. Darüber hinaus kooperieren die innovativen Kräfte auch mit außenstehenden Fachleuten wie beispielsweise der ansässigen Erziehungsberatungsstelle, dem städtischen Jugendamt, Psychologen oder der Polizei.
Grundsätzlich zeichnet sich die Ganztagesschule als eine Schulform aus, welche sich sehr stark an den verändernden gesellschaftlichen Bedingungen orientiert und möglichst flexibel Anpassungen vornimmt. Durch das erweitere zeitliche Betreuungsangebot (ca. 8 bis 16 Uhr) ist es möglich, die Kinder und Jugendlichen besser zu fördern als dies im Elternhaus geschehen kann. Bildung, Erziehung wie auch Betreuung sind im Schulkonzept als gleichwertige Ziele angelegt. Die Ganztagesbetreuung ist dahingehend ausgerichtet, einen klaren Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Individuelle Erfahrungen sollen dabei mit den unterrichtlichen Themen und Informationen eng verknüpft werden. Möglich macht dies ein fächerübergreifendes Modelllernen. Hierbei stellt soziale Partizipation eine wichtige Schlüsselkomponente dar. Nur wenn die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, an ihrer Schule auch tatsächlich mitzusprechen und eigene Ideen kreativ einzubringen, entwickelt sich bei auftauchenden Krisen eine notwendige Offenheit, Hilfsangebote auch anzunehmen.
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